Hinweis für Gemeinden

Beabsichtigen Gemeinden Biotop-Pflegeprojekte mit Schafen und Ziegen zu starten, stellt sich meist die Frage, welche Tierhalter im Umfeld ausreichend Vieh halten und welche standörtlichen Ansprüche diese Tiere haben. An dieser Stelle verweisen wir auf die Kontaktadressen der Schaf- und Ziegenzuchtverbände. Hier erhalten sie Auskunft!

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Lebensräume

Arteinreiche Weise
Arteinreiche Weise

Unter welchen standörtlichen Bedingungen ist die Pflege von Almen und Grünlandflächen durch Schafe und Ziegen möglich bzw. sinnvoll?

Für die Grünlandflächenpflege mit Schafen und Ziegen kommt eine Reihe ganz bestimmter Lebensräume in Betracht. In erster Linie sind dies schwer zu bewirtschaftende, von Nutzungsaufgabe bedrohte Almen, Weiden und Steilflächen. Allen ist gemeinsam, dass sie sowohl für das Landschaftsbild als auch die biologische Vielfalt von großem Wert sind. Aus diesem Grund zahlt es sich häufig aus, solche Flächen unter verhältnismäßig geringem Aufwand und gleichzeitigem Nutzeffekt weiter zu bewirtschaften.

Folgende Lebensräume/Wiesentypen kommen für eine Pflege mit Schafen und Ziegen in Betracht:

 

Grünerlengebüsche (Alnus viridis)

Zapfen der Grünerle
Zapfen der Grünerle

Das Grünerlengebüsch ist besonders auf schattigen feuchten Hängen in der Alpinstufe zu finden, reicht aber wie das Latschengebüsch entlang von Lawinenschneisen und Bachufern bis in die Täler herunter.

Auf Grund der Biegsamkeit ihrer Äste kann die Grünerle dem Schneedruck nachgeben und so die Besiedelung solcher Extremstandorte bewerkstelligen. Auf den oben genannten Standorten bildet die Grünerle langjährig unveränderliche Bestände mit 3 – 5 m Höhe.

Der Tatsache, dass sie mit Hilfe von Bakterien in ihren Wurzeln den Luftstickstoff pflanzenverfügbar machen kann, ist es zu verdanken, dass sie ein echter Bodenverbesserer ist. Dies wiederum ermöglicht einer Reihe von stickstoffliebenden Kräutern und Hochstauden das Gedeihen auf einem für diese Pflanzen sonst unattraktiven Standort. Neben der Grünerle finden sich häufig noch weitere Strauchgehölze, wie verschiedene Weidenarten, Heckenkirsche, Vogelbeere, Latschen sowie kleine Fichten und Lärchen.

Die Grünerle erfüllt die wichtige Funktion der Bodenfestigung – besonders über tonreichem Muttergestein – und besitzt große Bedeutung in ihrer Funktion als Pionier- und Vorwaldpflanze. Diese Eigenschaften werden einerseits erfolgreich bei der Wiederaufforstung und Sicherung von Rutschhängen verwendet, andererseits ist die Grünerle jedoch ein typisches und unerwünschtes Anfangsstadium bei der natürlichen Verwaldung aufgelassener Almen.
Da Ziegen nicht nur Gras, sondern auch Laub und Rinde fressen, eignen sie sich hervorragend für die Schwendung verbuschender Almen. Zu dem stellen sie sich bei Bedarf auf die Hinterbeine und erreichen Höhen von über 1,5 m. Das Klettern im steilen Gelände bereitet ihnen keine Schwierigkeiten. Trittschäden gibt es nur auf besonders erosionsanfälligen Stellen (auszäunen). Als Schutz vor Wind und Regen benötigen sie einen festen Unterstand.

Um einen raschen Verbiss der Gehölze zu erreichen, sollten auch Ziegen gekoppelt und die zu schwendenden Bereiche für ein bis 2 Wochen intensiv beweidet werden.

Projekt: Otto Denoth „Rodung von eingewachsenen Alpweiden” (Agro-News Nr. 2680, 2004).

 

Zwergstrauchheiden

Zwergsträucher sind häufig dominant in unterbestoßenen Almen
Zwergsträucher sind häufig dominant in unterbestoßenen Almen
Die Zwergstraucheide stellt eine Übergangsgesellschaft dar, die vom Wald in die gehölzfreien hochalpinen Rasen führt. Es dominieren Heidelbeere, Preiselbeere und Rauschbeere. Gebietsweise treten großflächige Bestände von Alpenrose, Zwergwacholder und Besenheide auf.

Die größeren Zwergstraucharten benötigen als Schutz vor Frost eine entsprechend hohe und lang andauernde Schneedecke. Auf abgewehten Stellen finden sich Krähenbeere und die immergrüne Gemsheide, in Scheetälchen hingegen am Boden kriechende Weidenarten wie z.B. die Kraut-Weide.

Besonders in den Kalkalpen tritt die Latsche (Pinus mugo) als dominante Großstrauchart in Erscheinung. Häufig sind kleine Fichten und besonders Lärchen eingestreut, sowie verschiedene Weidenarten, Grünerle und andere laubabwerfende Großsträucher. Ähnlich wie die Grünerle sind die biegsamen Äste ein hervorragender Schutz vor Schneedruck und Lawinen. Die Latsche besitzt ein tiefreichendes Wurzelsystem, welches ihr die Besiedelung trockener und wasserzügiger Standorte wie überwachsene Schutthänge erlaubt. Zwischen den mosaikartig verteilten Zwergsträuchern bedecken häufig Bürstlingrasen oder Kalk-Blaugrasrasen den flachgründigen rohhumusreichen Boden.

Selbst in den kargen Zwergstrauchheiden kann sich eine Beweidung mit Ziegen im Hinblick auf die Reduktion unerwünschter Gehölze auszahlen.

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Vorwaldgesellschaften tieferer Lagen

In Folge der in den letzten Jahren massiv veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in der Landwirtschaft nimmt der Verbuschungsgrad auf Extensivflächen stark zu.

Es sind eine Reihe von standortspezifischen Gehölzen, die hierbei eine Rolle spielen. Allen gemeinsam ist, dass sie lichtliebend sind und ein enormes Vermehrungspotenzial aufweisen. Zu diesen sogenannten Pioniergehölzen zählen Himbeere und Brombeere, Schlehdorn, Weiden, Schwarz- und Grauerle, Faulbaum, Birke, Espe, Esche, Holunder, Lärche und bedingt auch die Fichte.

Die zeitliche Aufeinanderfolge von Pflanzengemeinschaften am selben Standort wird als „Sukzession” bezeichnet und beginnt im allgemeinen mit einer der oben angeführten Pflanzen. In deren Unterwuchs entwickeln sich die schattenertragenden Arten, die im Laufe der Zeit die lichtbedürftigen verdrängen. Übrig bleibt eine Dauergesellschaft, ein im Falle der Weiden und Magerwiesen im dynamischen Gleichgewicht stehender Wald.

Für Ziegen besteht hier ein besonders reichhaltiges Nahrungsangebot, vor allem auf Grund der Vielfalt und Qualität der Futterpflanzen. Die Landschaftspflege dieses Standortes sollte optimal mit Schafen und Ziegen gemeinsam auf der Weidefläche erfolgen. Das Verhältnis der Anzahl der Schafe zu den Ziegen richtet sich nach dem Verbuschungsgrad (detailierte Angaben siehe “Informationen für Tierhalter).

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Vorwaldgesellschaft im Lungau
Vorwaldgesellschaft im Lungau

Läger- und Alpenampferfluren (Rumex alpina)

Alpenampfer
Alpenampfer

Auf Almen finden sich in frischen feinerdereichen Mulden und auf ebenen Stellen Läger- und Ampferfluren, die durch eine besonders hohe Stickstoffversorgung geprägt sind. Die überwiegend geschlossenen Ampferfluren beherbergen eine Reihe weiterer Hochstauden, wie Brennnessel, Guter Heinrich, Weißer Germer, Eisenhut und Greiskraut.

Der Alpenampfer wurde in alten Zeiten als wichtige Wirtschaftspflanze auf der Alm angebaut. Sie diente vor allem der Versorgung von Schweinen mit nährstoffreichem Futter aber auch in Notzeiten dem Menschen als Nahrung. Heute stellt der Ampfer durch die Verdrängung von Weidegräsern und –kräutern gebietsweise eine Bedrohung für den Fortbestand der Almweiden dar.

Die tief in den Boden reichende Pfahlwurzel und die Fähigkeit bis zu 70 Jahre nach der letzten Düngung am Standort zu überdauern machen ein dauerhaftes Entfernen der Pflanze fast unmöglich. Hinzu kommt die Vielzahl an produzierten Samen, die im Boden viele Jahre keimfähig bleiben. Es gibt Bestrebungen, dem Ampfer mittels alternativer Methoden, wie Ampfer-Blattkäfer, Schweinemast, Abmähen und Beweidung zu Leibe zu rücken.

Um ampferfreie Weideflächen zu haben, ist die beste Möglichkeit die Fläche schon vor einer Verunkrautung richtig zu bewirtschaften. Der wichtigste Punkt ist hierbei immer auf eine geschlossene, möglichst dichte Grasnarbe zu achten und zum Beispiel Beweidung bei stark vernässtem Boden zu vermeiden. Weidepflege mit Schafen und Ziegen ist ebenso eine sehr einfache Möglichkeit extrem dichte Grasnarben zu erzielen. Durch den sehr kurzen und starken Verbiss, wird die Verzweigung der Gräser gefördet und äußerst dichte Grasnarben entstehen. Ebenso ist die Trittbelastung durch diese Kleinwiederkauer gering.

Es wurde auch beobachtet, dass Ziegen gerne das Herzblatt der Ampferpflanzen fressen, so dass diese verfaulen.

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Artenreiche Blumenwiesen

Alpenampfer und Weißer Germer in ehemaligem Almange
Alpenampfer und Weißer Germer in ehemaligem Almange

Es handelt sich hierbei um Gold- und Glatthaferwiesen mit vermehrtem Auftreten von Goldhafer (Trisetum flavescens) oder Glatthafer (Arrhenatherum elatius).

Die Randbereiche verschmelzen mit Fettwiesen oder Gehölzrandvegetation. In der Pflanzengemeinschaft ist oft ein Übergang zum Kalkmagerrasen zu beobachten, bei feuchterem Untergrund und Düngung hingegen zur artenärmeren Goldhaferwiese.

Man findet artenreiche Blumenwiesen auf mageren bis mäßig fetten, bevorzugt süd- bis westgeneigten, steilen Böschungen und mäßig steilen Hangflächen über frischem bis trockenem, in jedem Fall jedoch grundwasserfernem Untergrund. Die standörtlichen Voraussetzungen für diese Wiesentypen sind besonders entlang von Straßen und Fahrwegen sowie mäßig trockener Waldränder gegeben.

Solche Wiesen werden höchstens zwei Mal jährlich gemäht und nicht oder nur mäßig mit Festmist im Herbst gedüngt. Eine extensive Nachbeweidung wird oft aus Gründen der Wirtschaftlichkeit an Stelle des Zweiten Schnitts durchgeführt.

Wegen der extensiven Bewirtschaftung ist die Anzahl der verschiedenen Pflanzenarten nicht selten über 40. Somit ist ein beachtlicher ökologischer Wert gegeben, in Verbindung mit dem wunderschön bunten Blühaspekt im Frühjahr.

Die Beweidung einer Goldhaferwiese sollte aus tiergesundheitlichen Gründen jedoch keinesfalls länger als eine Woche erfolgen. Während dieser Zeit sollte auch kein Vitamin D haltiges Handesfutter verabreicht werden, da dieses das Auftreten von Kalzinose fördert.

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Magerwiesen

Echte Magerwiesen findet man heute nur noch selten
Echte Magerwiesen findet man heute nur noch selten

Im Unterschied zur Bergregion sind Magerwiesen in tieferen Lagen selten und meist nur auf kleine Randflächen beschränkt.

Es handelt sich um steile Grenzertragsflächen mit starker Besonnung und flachgründigem, nährstoffarmem, kalkreichem oder saurem Untergrund, besonders über anstehendem Gestein und Kalkgrus (Schotter). Je nach Untergrund und Bewirtschaftungsform (Mahd oder Beweidung) bilden sich Kalk-Magerrasen oder Bürstlingrasen und deren Zwischenformen aus.

Eine Mahd findet typischerweise im Sommer statt. Es erfolgt normalerweise keine Düngung oder Beweidung. Dieser Wiesentyp ist besonders stark von Aufgabe bzw. Verbuschung bedroht, weshalb bei Mahdaufgabe eine Beweidung vor allem mit Schafen das Offenhalten solcher Flächen gewährleisten kann.

Magerwiesen zeichnen sich durch eine große Vielfalt an z.T. hoch spezialisierten Tier- und Pflanzenarten aus. Der Artenreichtum beläuft sich auf über 70 verschiedene Pflanzen. Vielerlei Heuschrecken und Schmetterlinge finden hier ihren Lebensraum. Im Frühsommer sind die Magerwiesen durch einen sehr bunten Blühaspekt gekennzeichnet, was für das Landschaftsbild eine große Bereicherung darstellt.

Bei diesem Biotoptyp sollte die Beweidung nur in den Frühsommermonaten oder im Spätherbst erfolgen. Die Weidedauer pro Weidegang sollte maximal 2 Wochen betragen und auf eine Zufütterung ist gänzlich zu verzichten. Bei langfristiger Beweidung von Magerwiesen kommt es zu einer raschen Verarmung an Pflanzenarten und zu einer Bestandesumwandlung in eine Magerweide, da viele Kräuter ständigen Verbiss nicht vertragen.

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Streuwiese

Sumpfständelwurz: eine typische Orchideenart der Streuwiese
Sumpfständelwurz: eine typische Orchideenart der Streuwiese

Streuwiesen sind Sekundär aus Extensivstandorten durch extensive Mähnutzung entstandene Grasbestände mit dominantem Auftreten von Sauergräsern und dem Pfeifengras (Molinia caerulea). Sie gedeihen überwiegend auf stark vernässten bis zeitweilig überfluteten Böden mit Anmoor- oder Torfcharakter.

Das Futter hat einen nur geringen Nährwert, eignet sich aber neben der Verwendung als Einstreu besonders gut für die Verfütterung an Pferde und Schafe.

Die einmalige Mahd dieser weder gedüngten noch beweideten Wiesen erfolgte früher oft erst im Winter, heut meist im Spätsommer oder Herbst. Auch dieser Lebensraum ist durch Bewirtschaftungsaufgabe und nachfolgende Verbuschung oder durch Dränage gefährdet.

Trotz des mäßigen Artenreichtums mit in Abhängigkeit vom Standort sehr unterschiedlichen Pflanzengemeinschaften, besitzen Streuwiesenbestände einen sehr großen Anteil an seltenen Arten (Rote-Liste-Arten), die sensibel auf jede Bewirtschaftungsänderung reagieren. Neben zum Teil seltenen Sauergräsern finden sich Orchideen, Schwertlilien und andere angepasste Spezialisten. Reine Schilfwiesen sind besonders homogen und artenarm und erlauben nur wenigen Beiarten die Koexistenz im Bestand. Sie sind aber Lebensgrundlage für seltene Vogelarten wie den Rohrsänger.

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Streuobstgärten

Streuobstgarten
Streuobstgarten

Streuobstgärten sind die auffälligsten landschaftsprägenden Strukturen. Diese künstlich begründeten Bestände weisen in vielerlei Hinsicht große Vorteile auf. Interessant ist sicherlich die Möglichkeit einer zeitweilen Mehrfachnutzung.

Neben der Obstgewinnung kann die Wiesenfläche als Weide oder zur Grundfuttergewinnung verwendet werden. Aus Sicht des Naturschutzes ist vorrangig die tierökologische Bedeutung eines Streuobstgartens hervorzuheben. Besonders alte Bäume mit Baumhöhlen und abgestorbenen Baumteilen sind wertvolle Lebensräume für zahlreiche Tiere. Vögel, wie zum Beispiel der Wendehals, Spechte oder Zwergeule , Fledermäuse und eine Vielzahl von Insektenarten leben in den Höhlen alter Bäume. Ebenso bildet die Wiesenfläche unterhalb der Obstbäume für unzählige Insekten und Kleinsäuger eine Zufluchtstätte . Dies trifft besonders in der Erntezeit zu, wo oft alle Grünlandflächen um den Obstbestand gemäht sind. Zu dieser Zeit finden dann viele Tiere im höheren Gras des Obstgartens Unterschlupf und Schutz vor Sonne, Trockenheit aber auch vor Fressfeinden. Ebenso wichtig wie die Erhaltung von Obstgärten als Lebensraum für die Tierwelt ist der weitere Bestand von diesen Landschaftsstrukturen nötig zur Aufrechterhaltung einer hohen Biodiversität. Häufig findet man in unseren

Streuobstgärten alte Obstsorten die keinerlei Weiterzucht unterliegen. Der ökologische Verlust dieser Bestände wäre unermesslich, denn er bedeutet das Ende einer besonders artenreichen Lebensgemeinschaft.
Streuobstwiesen dienen als Erosionsschutz, als Bienenweide, Wildobst und Lebensraum für viele geschützte oder gar vom Aussterben bedrohten Tierarten. Sie sind wichtige Knotenpunkte in der anzustrebenden Vernetzung von Biotopen.


Für eine Beweidung mit Schafen oder Ziegen ist der Streuobstbestand nur mäßig geeignet. Probleme treten hier vor allem durch die aus naturschutzfachlicher Sicht nötige späte Beweidung auf. Obstbestände sollten nämlich erst Anfang bis Mitte Juni beweidet werden, wenn die umliegenden Wiesenflächen schon gemäht sind. Zu diesem Zeitpunkt ist im Obstgarten der Bestand schon sehr hoch und teilweise überständig. Schafe bevorzugen jedoch junges und frisches Gras.


Wird der Streuobstbestand mit Ziegen beweidet, müssen die Obstbäume vor Verbiss geschützt werden. Dies ist praktisch nur durch aufwendige Zäunung möglich. Wirklich sinnvoll erscheint nur ein Nachweidegang im Herbst.

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